Dr. Marianne Linke
1945 wurde ich in Berlin geboren, bin dort aufgewachsen, habe studiert, wurde nach einem Zusatzstudium Mathematische Statistik in Berlin sowie einem Zusatzstudium Meteorologie in Moskau an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) promoviert und habilitiert. Ich war u. a. als Dozentin für Agrarmeteorologie am Fachbereich Meteorologie und Geophysik der HUB und als Leiterin der Abteilung Ökologie an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR tätig.
Mein langjähriges Arbeitsgebiet – Agrarmeteorologie - ist etwas ungewöhnlich, aber sehr spannend. Ich habe mich über viele Jahre mit der mathematischen Modellierung der Wechselwirkungen zwischen Klima-, Bodeneigenschaften und der Ertragsbildung befasst, so bin ich bereits zu DDR-Zeiten zur ökologischen Forschung gekommen.
Nach der Wende habe ich dann noch einmal Jura studiert, war ehrenamtliche Richterin am Verwaltungsgericht Berlin und arbeitete im Umweltschutz, zuletzt als Leiterin des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur Lübz.
Von 2002 bis 2006 war ich mit PDS-Mandat Sozialministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2006 gehöre ich dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern an.
Ich bin Mitglied der Gewerkschaft ver.di, engagiere mich in den Sozialverbänden VdK und Volkssolidarität, im Verein Erinnerung und Bildung Alt Rehse, im Gesundheitsinsel Rügen e. V. . Daneben bin ich Mitglied der wissenschaftlichen Gesellschaften Deutsche Meteorologische Gesellschaft e. V. und Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft e.V.
Seit 1968 bin ich verheiratet, habe zwei erwachsene Töchter, einen prächtigen Enkelsohn John, eine muntere Enkeltochter Antonia und einen pfiffigen Kater Mephisto. Durch die Entwicklung nach 1990 bin ich mit meiner Familie in Mecklenburg-Vorpommern "gelandet", wo wir uns sehr zu Hause fühlen.
Porträt
Täglicher Spagat zwischen Familie und Beruf
Dr. Marianne Linke setzt sich für Menschen ohne Lobby ein.
Das vergilbte Zeitungsbild zeigt eine junge Frau mit schwarzem Haar und dunklen Augen, liebevoll über ein Baby gebeugt. Ein Porträt in der „Berliner Zeitung" von 1978 über eine junge Wissenschaftlerin, die den täglichen Spagat zwischen Familie und Beruf samt gesellschaftlichem Engagement mit Bravour meistert.
Marianne Linke, damals 32 Jahre, hatte bereits eine Bilderbuchkarriere hinter sich, die so wohl nur in der DDR möglich war - auch wenn damals niemand von Karriere sprach: Abitur mit Ausbildung zur Betonfacharbeiterin - dann studiert sie nicht Bauwesen, sondern Landwirtschaft, absolviert ein Zusatzstudium Meteorologie in Moskau und promoviert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften in Berlin. „Nebenbei" hat sie zwei Töchter auf die Welt gebracht: Maria und Vera. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, sei ihr wichtig, sagte sie einst der Reporterin. Was trotz aller Sozialmaßnahmen schon damals nicht einfach war.
Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Leben von Dr. Marianne Linke zieht. Von der DDR, die ihr politische Heimat war, über ihre Zeit als Sozialministerin in Schwerin bis in die Gegenwart, in der sie sich als Sprecherin der Linksfraktion im Landtag unter anderem für Kinder und Jugendliche einsetzt. Zunächst einmal aber sollte vom Erscheinungstag des Artikels im Mai 1978 an noch rund ein Jahrzehnt mit einer beachtlichen beruflichen Entwicklung als Wissenschaftlerin in der DDR vor ihr liegen.
Anfang der achtziger Jahre schreibt sie ihre zweite Doktorarbeit, wird Dozentin für Agrarmeteorologie an der Humboldt-Uni. An der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften leitet sie u. a. die Abteilung Ökologie. Sie hat mit Familie und im Beruf ihren Platz in der Gesellschaft gefunden, als sich die politische Wende ankündigt und die Mauer schließlich fällt. „Ich war betroffen", erinnert sie sich, „denn ich hatte nur ein Gefühl: Mit dem Wegfall der Mauer und dieser kleinen, in vielem unzulänglichen DDR schwindet ein gewichtiges Korrektiv für den sozialen Frieden in Deutschland und in der Welt."
Die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften und der Bereich Meteorologie der Humboldt-Universität wurden abgewickelt. Sie studiert noch einmal im neuen Deutschland, diesmal Jura. Und arbeitet weiter im Umweltschutz. Auch als ihre Wege sie 1998 nach Mecklenburg-Vorpommern führen. Hier leitet sie das Staatliche Amt für Umwelt und Natur in Lübz, als sie 2002 zur Sozialministerin ernannt wird. „Ich habe mich besonders den Menschen verbunden gefühlt, die keine große Lobby in der Gesellschaft haben", sagt sie. „Vorschulische Bildung, Gleichstellung behinderter Menschen, Erhalt von Krankenhäusern, Programme für Kinder, Jugendliche und für ältere Menschen bestimmten zum Beispiel unsere tägliche Arbeit. 23 Gesetze und 24 Programme wurden verabschiedet und alle wurden finanziell untersetzt. Gute Sozialpolitik ist nicht zum Nulltarif zu haben."
Mit dem Aus für die rot-rote Koalition 2006 war für sie auch das Ministeramt zu Ende. Seither sitzt sie als Oppositionspolitikerin im Landtag und wird als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis 15 - zu dem die Insel Rügen, die Hansestadt Stralsund und der Landkreis Nordvorpommern gehören - einer prominenten politischen Gegnerin gegenüberstehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Sie scheut Auseinandersetzungen nicht, wenn sie von einer Sache überzeugt ist. „Auch und gerade in der Partei, denn auch hier geht es immer um Inhalte. Wir haben in zwei Landtagswahlen viele Wählerinnen und Wähler verloren, also müssen wir uns gemeinsam die Frage beantworten: was wir ändern müssen, um unserem Wählerauftrag als Linkspartei besser gerecht zu werden."
Das Baby von damals übrigens, über das sich die junge Wissenschaftlerin auf dem Foto beugt, hat inzwischen selbst Kinder. Dr. Marianne Linke, seit über 40 Jahren verheiratet, ist stolze Großmutter von Antonia und John. In Zeiten, in denen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mehr denn je ein Thema ist.


